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Sprachliche Gleichbehandlung

 

Die Universität Graz bekennt sich zu sprachlicher Gleichbehandlung (vgl. §§ 12, 20 Satzungsteil Gleichstellungsplan 2017, §§ 11, 16 Satzungsteil Frauenförderungsplan 2017). Zudem ist in § 10a B-GlBG ein Gebot der sprachlichen Gleichbehandlung verankert. Außerdem haben gem § 88 Abs 1 UG Personen, denen von einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung ein akademischer Grad verliehen wurde, das Recht, diesen in der in der Verleihungsurkunde festgelegten, auch abgekürzten, Form zu führen, wobei der akademische Grad einschließlich eines geschlechtsspezifischen Zusatzes geführt werden darf.

 

Satzungsteil Gleichstellungsplan (iSd § 20b UG), Beschluss des Senats vom 13.12.2017:

§ 12 Sprachliche Gleichbehandlung

(1) In allen dienstlichen Schriftstücken, offiziellen Mitteilungen sowie in offiziellen Dokumenten der Universität Graz sind entweder explizit die weibliche und männliche Form oder geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder geeignete geschlechtergerechte Bezeichnungen zu verwenden, wenn nicht nur ein Geschlecht gemeint ist.

Darüber hinaus sind alle Organe und Angehörigen der Universität Graz angehalten, sich in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Mitteilungen und in der Lehre unter Wahrung der Wissenschafts- und Lehrfreiheit einer geschlechtergerechten Sprache zu bedienen. Es soll daher in allen Schriftstücken und öffentlichen Äußerungen entweder explizitdie weibliche und männliche Form oder eine geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet werden. Unsachliche Differenzierungen zwischen Frauen und Männern sind zu unterlassen.

(2) Formulierungen sowie Organ-und Funktionsbezeichnungen sind so zu wählen, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.

(3) Alle Organe und Angehörigen der Universität Graz haben sich in allen dienstlichen Schriftstücken, offiziellen Mitteilungen sowie in offiziellen Dokumenten und in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Werbemitteln oder Mitteilungen und in der Lehre einer diskriminierungsfreien Sprache und einer diskriminierungsfreien Bildsprache in Hinblick auf Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter, sexuelle Orientierung sowie Behinderung zu bedienen.

 

Umfasst sind also neben der geschlechtergerechten Sprache auch diskriminierungsfreie Sprache und Bildsprache in Bezug auf Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter oder sexuelle Orientierung. Hintergrund der Bestimmungen zur geschlechtergerechten Sprache ist die die Realität prägende Kraft der Sprache. Unsere Vorstellungswelt wird stark durch die Sprache und die von ihr nahegelegten Bilder geprägt. Die Abwesenheit von weiblichen Bezeichnungen in der Sprache führt somit tendenziell auch zur Verbannung von Frauen aus unserer Vorstellungswelt und zur Festschreibung real existierender Ungleichbehandlungen. Durch geschlechtergerechte Formulierungen sollen derartige Effekte verhindert und eine angemessene gedankliche Repräsentation von Frauen und Männern sichergestellt werden.

Als problematisch erweist sich in diesem Zusammenhang das generische Maskulinum der deutschen Sprache, dh die Verwendung männlicher Personenbezeichnung (wie etwa ‚Abteilungsleiter’), als scheinbar 'neutrale' Bezeichnungen, in der auch Personen weiblichen Geschlechtes mitumfasst sind. Dazu wurde beispielsweise von Dr. Dries Vervecken vom Karel de Grote University College in Antwerpen und Prof. Dr. Bettina Hannover von der Freien Universität Berlin eine Studie durchgeführt. Es zeigt sich, dass geschlechtergerechte Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen beeinflusst. Nähere Informationen finden Sie hier.

Auch die sehr beliebte Variantemittels einer Generalklausel am Beginn eines Dokumentes auf das "Mitgemeintsein" des weiblichen Geschlechtes zu verweisen, stellt in dieser Hinsicht keine geeignete Lösung dar, da hierbei lediglich eine Fortschreibung der traditionellen Ausklammerung der Frauen aus der Sprache stattfindet.

 

Warum spielt die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache in unserer Gesellschaft eine so wichtige Rolle?

Wahrnehmungsübung - Lösen Sie das folgende Rätsel:

 

Ein Vater bringt an einem Samstagnachmittag seinen Sohn mit dem Auto zum Fußballspielen. Mitten auf einem Bahnübergang bleibt ihr Wagen stehen. Der Vater bemüht sich verzweifelt, den Motor wieder anzulassen. Es gelingt ihm jedoch nicht und das Auto wird von dem herannahenden Zug erfasst. Der Vater erliegt noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Der Sohn schwebt in Lebensgefahr und wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht, das auf derartige Verletzungen spezialisiert ist. Die Operation wird sofort vorbereitet. Jemand aus dem Chirurgenteam beugt sich über den Jungen und wird blass: "Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!".

Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen Chirurg und Kind?

 

 

 

 

Nein, es ist nicht der Stiefvater des Kindes.

 

 

 

Auch nicht der Adoptivvater.

 

 

 

Es liegt auch keine andere komplizierte Patchwork-Familienstruktur vor.

 

 

 

 

Es handelt sich bei dem Chirurgen um die Mutter des Sohnes! Ein einfaches Faktum, auf das die meisten Personen, die dieses Rätsel zum ersten Mal hören, nur nach längerem Nachdenken kommen. Die Wirkkraft der Sprache, die bei Gebrauch des generischen Maskulinums in unserer Vorstellungswelt während des Hörens/Lesens dieses Rätsels vorrangig männliche Personen erscheinen lässt, wird hier sehr deutlich. Genau diesen Effekten soll durch geschlechtergerechten Sprachgebrauch entgegen gewirkt werden.

Quellen: Newsletter des AKGL 2/2008; Scherke, Schustaczek; Vgl. http://www.frauensprache.com/

 

Hier können Sie hilfreiche Informationen und Tipps zum geschlechtergerechten Formulieren finden:

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Kontakt

Büro des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen
Harrachgasse 34, 8010 Graz
Telefon:+43 (0)316 380 - 1028

Web:http://akgl.uni-graz.at

Mo - Fr: 9 - 12 Uhr & nach Vereinbarung

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