Sprachliche Gleichbehandlung

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Die Universität Graz bekennt sich zum Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache (vgl § 12 Satzungsteil Gleichstellung – Frauenförderungsplan). Zudem ist in
§ 10a B-GlBG ein Gebot der sprachlichen Gleichbehandlung verankert.

Satzungsteil Gleichstellung – Frauenförderungsplan
iSd § 19 Abs 2 Z 6 iVm § 44 UG (FFP/KFU 2005), Beschluss des Senats vom 9. Dezember 2009, geändert mit Beschluss des Senats vom 16.05.2012

§ 12. Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache


(1) Alle Organe und Angehörigen der Universität Graz sollen sich in Aussendungen, Formularen, Protokollen, Reden, Interviews und anderen an die Öffentlichkeit oder an die Universitätsangehörigen gerichteten Mitteilungen und in der Lehre einer geschlechtergerechten Sprache bedienen. Es soll daher in allen Schriftstücken und öffentlichen Äußerungen entweder explizit die weibliche und männliche Form oder eine geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet werden. Unsachliche Differenzierungen zwischen Frauen und Männern sind zu unterlassen.
(2) Die Verwendung von Generalklauseln, in denen z.B. zu Beginn, am Ende oder in Fußnoten eines Textes festgehalten wird, dass die gewählten personenbezogenen Bezeichnungen für beide Geschlechter gelten, ist unzulässig.
(3) Formulierungen sowie Organ- und Funktionsbezeichnungen sind so zu wählen, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.

Hintergrund all dieser häufig als mühsam empfundenen Aktivitäten ist die Realität prägende Kraft der Sprache. Unsere Vorstellungswelt wird entscheidend durch die Sprache und die von ihr nahegelegten Bilder geprägt. Die Abwesenheit von weiblichen Bezeichnungen in der Sprache führt somit tendenziell auch zur Verbannung von Frauen aus unserer Vorstellungswelt und somit zur Festschreibung real existierender Ungleichbehandlungen. Durch geschlechtergerechte Formulierungen sollen derartige Effekte verhindert und eine angemessene Repräsentation von Frauen und Männern sichergestellt werden.

Als problematisch erweist sich in diesem Zusammenhang das generische Maskulinum der deutschen Sprache, dh die Verwendung männlicher Personenbezeichnung (wie etwa ‚Abteilungsleiter’), als scheinbar 'neutrale' Bezeichnungen, in der auch Personen weiblichen Geschlechtes mitumfasst sind. Dazu wurde beispielsweise von Dr. Dries Vervecken vom Karel de Grote University College in Antwerpen und Prof. Dr. Bettina Hannover von der Freien Universität Berlin eine Studie durchgeführt. Es zeigt sich, dass geschlechtergerechte Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen beeinflusst. Nähere Informationen finden Sie hier.

Auch die sehr beliebte Variante mittels einer Generalklausel am Beginn eines Dokumentes auf das 'Mitgemeintsein' des weiblichen Geschlechtes zu verweisen, stellt in dieser Hinsicht keine geeignete Lösung dar, da hierbei lediglich eine Fortschreibung der traditionellen Ausklammerung der Frauen aus der Sprache stattfindet. Durch § 12 Abs 2 Satzungsteil Gleichstellung – Frauenförderungsplan wird die Verwendung solcher Generalklauseln zur Fortschreibung des generischen Maskulinums explizit untersagt.

Warum spielt die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache in unserer Gesellschaft eine so wichtige Rolle?

Wahrnehmungsübung - Lösen Sie das folgende Rätsel:

 

Ein Vater bringt an einem Samstagnachmittag seinen Sohn mit dem Auto zum Fußballspielen. Mitten auf einem Bahnübergang bleibt ihr Wagen stehen. Der Vater bemüht sich verzweifelt, den Motor wieder anzulassen. Es gelingt ihm jedoch nicht und das Auto wird von dem herannahenden Zug erfasst. Der Vater erliegt noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Der Sohn schwebt in Lebensgefahr und wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht, das auf derartige Verletzungen spezialisiert ist. Die Operation wird sofort vorbereitet. Jemand aus dem Chirurgenteam beugt sich über den Jungen und wird blass: "Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!".

Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen Chirurg und Kind?

 

 

Nein, es ist nicht der Stiefvater des Kindes.

 

 

Auch nicht der Adoptivvater.

 

 

Es liegt auch keine andere komplizierte Patchwork-Familienstruktur vor.

 

 

 

Es handelt sich bei dem Chirurgen um die Mutter des Sohnes! Ein einfaches Faktum, auf das die meisten Personen, die dieses Rätsel zum ersten Mal hören, nur nach längerem Nachdenken kommen. Die Wirkkraft der Sprache, die bei Gebrauch des generischen Maskulinums in unserer Vorstellungswelt während des Hörens/Lesens dieses Rätsels vorrangig männliche Personen erscheinen lässt, wird hier sehr deutlich. Genau diesen Effekten soll durch geschlechtergerechten Sprachgebrauch entgegen gewirkt werden.

Quellen: Newsletter des AKGL 2/2008; Scherke, Schustaczek; Vgl. http://www.frauensprache.com/

 

Hier können Sie hilfreiche Informationen und Tipps zum geschlechtergerechten Formulieren finden:

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Kontakt

Büro des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen
Harrachgasse 34, 8010 Graz

+43 (0)316 380 - 1028

http://akgl.uni-graz.at

Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr & nach Vereinbarung

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